Blickpunkt:Film 04.05.2006

Gabriele Kranzelbinder als neue Verbandschefin

Nach heftigen Auseinandersetzungen hat der Verband österreichischer Filmproduzenten
(AAFP) Gabriele Kranzelbinder zur neuen Präsidentin gewählt. Sie ist Produzentin und
Geschäftsführerin von Amour Fou in Wien.

Was sind die ersten Aufgaben, die Sie sich als Vorsitzende gestellt haben?
Es gilt, in den nächsten Wochen im Verband ein Strategiepapier auszuarbeiten. Die Stärkung des Filmstandorts Österreich wird dabei ebenso Thema sein wie die nötige Dualität des wirtschaftlichen und kulturellen Aspekts des Filmschaffens. Wir brauchen den Ausbau der Förderungen des Österreichischen Filminstituts, aber auch der Innovationsförderung des Bundeskanzleramts. Die Einführung eines Tax-Shelter-Modells ist selbstverständlich weiter auf dem Tisch.

Wie könnten in der Förderpolitik neue Akzente gesetzt werden?
Eine wesentliche Maßnahme wäre eine stärkere Konzentration auf die Projektentwicklung. Und, am anderen Ende der Maßnahmenkette, eine verbesserte Verwertung. Denkbar ist ein Bonussystem für Verleihe und auch für Kinos, die heimische Filme spielen. Eines der Ziele wäre hier, längere Spielzeiten zu ermöglichen. Im Hinblick auf den ORF ist sicherlich eine verbesserte Kooperation im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit für den österreichischen Film nötig. Der ORF ist der größte Meinungsmacher des Landes, hier wäre für alle viel gewonnen.

In welchen Punkten wird es eine klare Abkehr von bisherigen - umstrittenen - Prinzipien des alten gemeinsamen Verbands geben?
Wir sehen die Veränderung - Stichwort: Gründung neuer Firmen, Digitalisierung und damit Erleichterung beim Zugang zu Produktion und Verwertung, neues Verhältnis zwischen Regie und Produktion etc. - sicherlich als große Chance und nicht als Bedrohung. Unsere Kernthemen sind die Betonung der Vielfalt; ganz wichtig: eine Offenheit gegenüber jungen Produktionsfirmen; eine Ausrichtung auf den internationalen ebenso wie auf den heimischen Markt; und auch ein neues Verhältnis zu den anderen Filmverbänden.

Dieter Pochlatko vom neu gegründeten Produzentenverband Film Austria meinte, die Trennung sei unausweichlich gewesen. Stimmt das?
Der Meinung bin ich nicht. Es ist bedauerlich, dass ein Teil der Mitgliedsfirmen des Verbands ohne weitere Diskussion diesen gemeinsam geplanten Schritt getan haben. In vielen Punkten gab und gibt es ein Einverständnis. Unterschiedliche Auffassungen, etwa in Hinblick auf die Förderungspolitik in Österreich, hätte man auch im gemeinsamen Verband transparent machen können.

Wie würden Sie den Schaden dieser Zweiteilung beschreiben? Kommt hier zum Imageschaden nicht auch eine strukturelle Schwächung - etwa gegenüber der Politik - hinzu?
Jede Krise ist auch eine Chance. Da nun eine Klärung der Standpunkte stattfindet, können wir die gemeinsamen Ziele sogar klarer kommunizieren. Wenn von beiden Verbänden der gleiche Standpunkt formuliert wird, ist klar, dass die gesamte Produzentenlandschaft dahinter steht.

Eine punktuelle Zusammenarbeit zwischen AAFP und Film Austria ...
... ist sicher sehr sinnvoll und wird von uns auch angestrebt.

Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich nun für Ihre Mitglieder hinsichtlich des ORF?
Kritisiert wird immer wieder ein beschränkter Zugang zu Aufträgen. Ja, die Zahl der Produktionsfirmen, die für den ORF arbeiten und arbeiten können, ist tatsächlich klein - zu klein. Das ist insbesondere für junge Produktionsfirmen ein Problem. Hier wäre eine Öffnung dringend nötig - eine Öffnung, von der beide Seiten profitieren würden: Der ORF könnte sich über neue Ideen und junge Kreative freuen. Und die Filmbranche auf der anderen Seite über Aufträge.


Der Verband der österreichischen Filmproduzenten AAFP hat Gabriele Kranzelbinder (Amour Fou) zur neuen Präsidentin gewählt. Die Wahl eines neuen Vorstands wurde nötig, nachdem im April sieben Mitglieder - darunter Dor Film (Danny Krausz, Kurt Stocker), Allegro Film (Helmut Grasser) und Wega-Film (Veit Heiduschka) – den Verband verlassen hatten. Dieser Austritt folgte einer Zeit teils heftiger Auseinandersetzungen, in denen sich hinter der profanen Frage "Kunst oder Kommerz" ein teils existenzieller Verteilungskampf um Fördergelder verbarg. Neben der Frage, ob Referenzgelder stärker auf den heimischen oder den internationalen Markt ausgerichtet werden sollten, gibt es weitere Differenzen: Die Zugänge zum ORF sind für viele junge Produzenten beschränkt. Und auch das Verhältnis zwischen Produzenten und Kreativen spielte eine Rolle. Gabriele Kranzelbinder sieht in der Trennung zwar eine positive Klärung der Positionen, betont aber auch gemeinsame Ziele beider Verbände.

Quelle: Blickpunkt:Film

 
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