Gabriele Kranzelbinder als neue Verbandschefin
Nach heftigen
Auseinandersetzungen hat der Verband österreichischer Filmproduzenten
(AAFP) Gabriele Kranzelbinder zur neuen Präsidentin gewählt. Sie
ist Produzentin und
Geschäftsführerin von Amour Fou in Wien.
Was sind die ersten Aufgaben, die Sie sich als Vorsitzende gestellt
haben?
Es gilt, in den nächsten Wochen im Verband ein Strategiepapier auszuarbeiten.
Die Stärkung des Filmstandorts
Österreich wird dabei ebenso Thema sein wie die nötige Dualität
des wirtschaftlichen und kulturellen Aspekts des
Filmschaffens. Wir brauchen den Ausbau der Förderungen des Österreichischen
Filminstituts, aber auch der
Innovationsförderung des Bundeskanzleramts. Die Einführung eines
Tax-Shelter-Modells ist selbstverständlich weiter auf dem Tisch.
Wie könnten
in der Förderpolitik neue Akzente gesetzt werden?
Eine wesentliche Maßnahme wäre eine stärkere Konzentration
auf die Projektentwicklung. Und,
am anderen Ende der Maßnahmenkette, eine verbesserte Verwertung. Denkbar
ist ein
Bonussystem für Verleihe und auch für Kinos, die heimische Filme
spielen. Eines der Ziele wäre
hier, längere Spielzeiten zu ermöglichen. Im Hinblick auf den ORF
ist sicherlich eine verbesserte
Kooperation im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit für den österreichischen
Film nötig. Der ORF
ist der größte Meinungsmacher des Landes, hier wäre für
alle viel gewonnen.
In welchen Punkten
wird es eine klare Abkehr von bisherigen - umstrittenen - Prinzipien
des alten gemeinsamen Verbands geben?
Wir sehen die Veränderung - Stichwort: Gründung neuer Firmen, Digitalisierung
und damit
Erleichterung beim Zugang zu Produktion und Verwertung, neues Verhältnis
zwischen Regie
und Produktion etc. - sicherlich als große Chance und nicht als Bedrohung.
Unsere Kernthemen
sind die Betonung der Vielfalt; ganz wichtig: eine Offenheit gegenüber
jungen
Produktionsfirmen; eine Ausrichtung auf den internationalen ebenso wie auf
den heimischen
Markt; und auch ein neues Verhältnis zu den anderen Filmverbänden.
Dieter Pochlatko
vom neu gegründeten Produzentenverband Film Austria meinte, die
Trennung sei unausweichlich gewesen. Stimmt das?
Der Meinung bin ich nicht. Es ist bedauerlich, dass ein Teil der Mitgliedsfirmen
des Verbands
ohne weitere Diskussion diesen gemeinsam geplanten Schritt getan haben. In
vielen Punkten gab
und gibt es ein Einverständnis. Unterschiedliche Auffassungen, etwa in
Hinblick auf die
Förderungspolitik in Österreich, hätte man auch im gemeinsamen
Verband transparent machen
können.
Wie würden
Sie den Schaden dieser Zweiteilung beschreiben? Kommt hier zum
Imageschaden nicht auch eine strukturelle Schwächung - etwa gegenüber
der Politik - hinzu?
Jede Krise ist auch eine Chance. Da nun eine Klärung der Standpunkte
stattfindet, können wir
die gemeinsamen Ziele sogar klarer kommunizieren. Wenn von beiden Verbänden
der gleiche
Standpunkt formuliert wird, ist klar, dass die gesamte Produzentenlandschaft
dahinter steht.
Eine punktuelle
Zusammenarbeit zwischen AAFP und Film Austria ...
... ist sicher sehr sinnvoll und wird von uns auch angestrebt.
Welche neuen Möglichkeiten
eröffnen sich nun für Ihre Mitglieder hinsichtlich des ORF?
Kritisiert wird immer wieder ein beschränkter Zugang zu Aufträgen.
Ja, die Zahl der Produktionsfirmen, die für den ORF arbeiten und arbeiten
können, ist tatsächlich
klein - zu klein. Das ist insbesondere für junge Produktionsfirmen ein
Problem. Hier wäre eine
Öffnung dringend nötig - eine Öffnung, von der beide Seiten
profitieren würden: Der ORF
könnte sich über neue Ideen und junge Kreative freuen. Und die Filmbranche
auf der anderen
Seite über Aufträge.
Der Verband der österreichischen Filmproduzenten AAFP hat Gabriele Kranzelbinder
(Amour Fou) zur neuen Präsidentin gewählt. Die Wahl eines neuen
Vorstands wurde nötig, nachdem im April sieben Mitglieder - darunter
Dor Film (Danny Krausz, Kurt Stocker), Allegro Film (Helmut Grasser) und Wega-Film
(Veit Heiduschka) – den Verband verlassen hatten. Dieser Austritt folgte
einer Zeit teils heftiger Auseinandersetzungen, in denen sich hinter der profanen
Frage "Kunst oder Kommerz" ein teils existenzieller Verteilungskampf
um Fördergelder verbarg. Neben der Frage, ob Referenzgelder stärker
auf den heimischen oder den internationalen Markt ausgerichtet werden sollten,
gibt es weitere Differenzen: Die Zugänge zum ORF sind für viele
junge Produzenten beschränkt. Und auch das Verhältnis zwischen Produzenten
und Kreativen spielte eine Rolle. Gabriele Kranzelbinder sieht in der Trennung
zwar eine positive Klärung der Positionen, betont aber auch gemeinsame
Ziele beider Verbände.
Quelle: Blickpunkt:Film
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