Pressemitteilung vom 05.01.2007

Neue Regierung: Mehr Geld für Filmbereich ... aber noch keine konkreten Details - Filmproduzenten-Präsidentin: "Fördermittel im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich"


Wien - Auf eine Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen für die Filmwirtschaft haben sich die Koalitionsverhandler bereits geeinigt. Weder von Seiten der SPÖ noch der ÖVP wurden jedoch vorerst konkrete Zahlen genannt. Der Verband österreichischer Filmproduzenten (AAFP) forderte eine Verdoppelung des bisherigen öffentlichen Förderbudgets für heimische Produktionen. "Wir hinken ewig nach", meinte AAFP-Präsidentin Gabriele Kranzelbinder von Amour Fou. In erster Linie wolle man hier ein Bewusstsein in Österreich bilden.
"Die österreichischen Fördermittel sind im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich", so Kranzelbinder. Laut dem Filmwirtschaftsbericht 2006 beliefen sich die Mittel für Stoffentwicklung, Projektentwicklung und Herstellung von Kinofilmen, Fernsehfilmen- und serien sowie Kurz-, Animations- und Avantgardefilmen 2004 auf rund 35 Millionen Euro. Allein für den Kinobereich standen 2004 von der öffentlichen Hand rund 15 Millionen Euro für 15 Kinofilme zur Verfügung.

Zusatzfinanzierung unabkömmlich

"Ein Kinofilm in Österreich kostet zwischen ein und fünf Millionen Euro", so Kranzelbinder, der Durchschnitt liege bei etwa 1,8 Millionen. Steht nach obiger Milchmädchenrechnung pro Film rund eine Million zur Verfügung, bleiben immer noch 800.000 Euro unfinanziert. Diese Differenz ist derzeit nur über Fernsehsender (also den ORF) oder ausländische Geldgeber (in Form von Koproduktionen) zu lukrieren, da es für private Investoren in Österreich keine Steueranreize gibt.

Steueranreize sind in Europa ebenso gang und gäbe wie ein höheres Fördervolumen. Laut Filmwirtschaftsbericht geben zum Beispiel Luxemburg das Elffache, Dänemark, Italien und Frankreich das Neunfache und die Schweiz das Fünffache für die Filmförderung aus. Eine Verdoppelung der bisherigen Fördersumme wäre für Kranzelbinder "eine Grundsicherung, um überhaupt einmal entsprechende Strukturen schaffen zu können und über die Wahrnehmungsschwelle hinaus zu kommen". Schließlich wolle man einfach auf einen europäischen Standard kommen.

Deutliche Erhöhung gefordert

Den Forderungen der Filmwirtschaft zufolge sollen die seit 2004 unveränderten Budgets des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) von 9,6 auf 20 Mio. Euro und des Fernsehfonds von 7,5 auf 15 Mio. Euro verdoppelt werden. Die Mittel des Bundeskanzleramts (BKA), das sich in früheren Jahren vor allem durch die Förderung von Erstlingsfilmen hervorgetan hatte, sollen von 1,3 Mio. auf 5 Mio. Euro erhöht werden, um das ÖFI zu entlasten. Auch das ORF-Film/Fernsehabkommen soll von 5,9 auf 15 Mio. Euro angehoben werden. Mit den bestehenden rund 13 Mio. Euro der Länder würde man so auf knapp 70 Mio. Euro und damit eine Verdoppelung des bisherigen Budgets kommen.
Das Geld würde nicht nur der Produktion, sondern auch der Verwertung zu Gute kommen. Während derzeit rund zehn Prozent des Gesamtbudgets für Werbung ausgegeben werden, werden bei einer Hollywood-Produktion 50 Prozent für das Marketing verwendet. Auch wenn die absoluten Zahlen nicht vergleichbar sind, liegt hier relativ wohl doch auch ein Grund für den geringen Marktanteil heimischer Filme in Österreich (2,6 Prozent) und EU-weit (0,0006 Prozent). Zudem würde ein höheres Fördervolumen auch der Ausbildung und dem Nachwuchs helfen. Bei Kranzelbinder herrscht jedenfalls angesichts "einer neuen Regierung und einer neuen ORF-Führung vorsichtiger Optimismus". (APA, 5. 1. 2007)


 
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