Das Sein und das Nichts

Das Sein und das Nichts

ein Film von Bady Minck

Amour Fou Filmproduktion GmbH

Experimentalfilm | 2007 | 10 min | ohne Dialoge | 35 mm | 1:1.66

Die Filmkollektion Free Radicals versammelt die beiden Kurzfilme Das Sein und das Nichts und Schein Sein von Bady Minck, die beide in Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien realisiert werden.

Das Sein und das Nichts macht die Parameter der Entstehung von Musik filmisch sichtbar. Musik wird in Bilder gegossen - what you see is what you hear. Der Dirigent fungiert als Dompteur der Zeit und als Herr über die Stille. Die einzelnen Musiker sind nur sichtbar in den extrem kurzen Zeiträumen, in denen sie spielen. Ihre Körper beginnen wie Noten auf einer filmisch visualisierten Partitur zu tanzen. Die voranschreitende Dekonstruktion der Musik wird visuell von einem dekonstruierten Bild begleitet.
Synopsis

Das Sein und das Nichts transformiert ein Musikstück ins Visuelle und beschäftigt sich mit der Position des Menschen in diesem Klanglichtspiel. Nach einem Prolog, in dem der Komponist und Dirigent Beat Furrer beim Beschaffen und Bearbeiten einer Schumann-Partitur gezeigt wird, ist die Aufführung des Stückes das Thema des Films: Während die Noten am Blick des Betrachters vorbeiziehen, erscheinen und verschwinden die Musiker des Klangforum Wien nach Maßgabe ihres akustischen Beitrags. So entsteht eine Choreographie der Töne, die Flüchtigkeit der Musik und ihre Unermesslichkeit wird in ein Ballett der Körper umgewandelt, das zwischen Präsenz und Abwesenheit die Instabilität des Seins als dialektisches Mikro-Spektakel feiert. Die Lust am Klang produziert optische Wiedergänger, die, Notenköpfen gleich, über die Bildoberfläche huschen und die Komposition visuell rhythmisieren. Parallel zum Ausdünnen der musikalischen Textur werden im Finale auch die Bildeindrücke fragmentarischer: Ein Zucken am Rande der Wahrnehmung, ein nervöser Augenreiz, der sich schon halb im Unterbewussten ansiedelt. Bis am Schluß der Dirigent, der zuvor als Deus ex machina in den Hexenkessel der Töne hineingefahren ist, den Applaus in einem White Cube entgegennimmt. Weißes Quadrat auf weißem Grund, vollendete Entdramatisierung der großen Erzählung, Nullpunkt der Klangproduktion. “Das An-sich-sein", schreibt Sartre, “ist veränderungsloses, unterschiedsloses reines Sein, eben die Seinsfülle ohne jede Negation." Quod erat demonstrandum. Thomas Miessgang

Das Sein und das Nichts visualisiert eine phantastische Reise in das Innere der Partitur. Die Musiker erscheinen und verschwinden wie Noten und Klänge. Bady Minck hat der Musik einen virtuellen Raum gegeben - vielleicht spielt die zentrale Szene des Films im Kopf des Dirigenten und Komponisten, der wie ein Zauberer mittels Handzeichen die Musiker exterminiert...
Martin Pieper

Aussen, bei Tag, eine Straße, ein Antiquariat, ein Buch öffnet sich und lässt eine Partitur erkennen, die Novelette n° 8 opus 21 von Schumann. Der Komponist und Dirigent Beat Furrer ist der Käufer und bald auch der Arrangeur dieser Partitur. Das Sein und das Nichts schlägt eine Variation von Jean-Paul Sartres Text vor, was durch den von Beat Furrer gewählten Titel des Musikstücks unterstrichen wird: Ein Lied, das über das Ende des Liedes hinaus ein anderes Ende finden wollte.
Katalog FID Marseille


Besetzung:
Drehbuch: Bady Minck
Musik: Beat Furrer interpretiert vom Klangforum Wien
Schnitt: Frédéric Fichefet
Digitale Postproduktion: Eni Brandner
Produktions-Koordination: Karin Berghammer
Produktionsleitung: Alfie Kral
DarstellerInnen: Beat Furrer, Pozzo Furrer, Hans Lugmair, die Musiker des Klangforum Wien >> Markus Deuter, Andreas Eberle, Vera Fischer, Thomas Frey, Uli Fussenegger, Andrew Jezek, Andreas Lindenbaum, Gunde Jäch-Micko, Florian Müller, Anders Nyqvist, Dimitrios Polisoidis, Edurne Santos, Sophie Schafleitner, Lukas Schiske, Petra Stump, Christoph Walder, Björn Wilker, Bernhard Zachhuber

Musik: Beat Furrer "Ein Lied, das über das Ende des Liedes hinaus ein anderes Ende finden wollte" (c) Alkor-Edition

Welturaufführung: International Film Festival Rotterdam 2007


Regie: Bady Minck
Kamera: Jörn Staeger, Martin Putz

Produktion: Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Gabriele Kranzelbinder, Bady Minck

Weltvertrieb: Sixpack Film

Verleih: Sixpack Film



www.badyminck.com/