Deanimated

Deanimated

ein Film von Martin Arnold

Amour Fou Filmproduktion GmbH

Experimentalfilm | 2002 | 60 min | Deutsch | DigiBeta

Avantgardefilmer Martin Arnold unterzieht einen legendären amerikanischen Horrorfilm aus dem Jahre 1941 einer radikalen kinematographischen Operation. Die Schauspieler verschwinden mithilfe digitaler Techniken, der filmische Raum wird zum eigentlichen Hauptdarsteller in einer präzisen, absurd-witzigen Neuinterpretation. Aus dem Originalfilm "The Invisible Ghost", in dem eine Ehefrau ihren Mann in einen murder plot hineinhypnotisiert, wird bei Arnold "Deanimated" - eine Studie der fortschreitenden Auflösung des Schauspielerkinos, an deren Ende die Kamera durch menschenleere Sets schweift, in denen buchstäblich das Licht ausgegangen zu sein scheint.

Der Tod wird in "Deanimated" zu jener Furie des Verschwindens, die von einem "unerträglichen Hinausgehen über das Dasein". (Georges Bataille) kündet. Der Wahnsinn, den die Ungeheuerlichkeit des Nichts provoziert, ist in die Gesichter eingeschrieben. Die Ekstase der Vernichtung, die Annihilierung des Seins, die Hypostasierung des Anorganischen, der suchende Blick, der nicht mehr auf das Erkennen trifft, sind jene Relais, die den Übergang zur katatonischen Starre vorbereiten. (Thomas Miessgang)

Martin Arnold: DEANIMATED
ab 11. Oktober in der Kunsthalle Wien
Für die Ausstellung "Deanimated" hat Martin Arnold drei neue Arbeiten geschaffen: "Deanimated" unternimmt eine radikale Entmenschlichung der Leinwand und des Zuschauerraums, "Dissociated" und "Forsaken" brechen mit Doppelprojektionen die traditionelle Guckkastensituation des Kinos auf. In den beiden Doppelprojektionen muß sich das Auge des Betrachters von der Zentralperspektive befreien und neu einstellen, um in der Simultaneität der kinematographischen Ereignisse individuelle Blickachsen und Zeitfenster zu finden.

Ging es in Arnolds früheren Filmen um das Moment der Überhöhung in der Wiederkehr des Immergleichen, so thematisiert er in den Arbeiten von "Deanimated" die Idee des Verschwindens.
Dieses alte Motiv des Kriminal- und Horrorfilms erlebt hier seine Verdichtung und Zuspitzung: Wichtige Figuren der Handlung werden durch die Technik des ´digital compositing` aus dem Film herausgelöscht, die Münder dialogisierender Paare zugemorpht; orchestrale Filmmusik braust auf, um Nicht-Ereignisse dramatisch zu überwölben. Übrig bleiben nur die Spuren von Ereignissen, dürftige Indizien eines Geschehens, dessen Ursprung im Dunkel bleibt: aufwirbelnder Staub, das Geräusch von Gewehrschüssen, der Ausdruck des Horrors im Gesicht einer Frau, die vor dem Nichts zurückschreckt.

Die Ausstellung "Deanimated" bringt die gutgeölte Hollywood-Erzählmaschine zum Stottern, sie zeigt das System der großen Narrative im Zustand seines Zerfalls. "Martin Arnold will keine neuen Erzählungen an die Stelle der alten setzen, sondern von der realen Gegenwart des Abwesenden berichten. Farben, Kontraste und Rhythmen berühren den Betrachter nicht im Bereich der Sprache und der Logik", sagt der Regisseur.
"Sie kommunizieren auf tieferen Ebenen. Ich würde den Diskurs, an dem sie teilnehmen, im Bereich des Unbewussten situieren."

Besetzung:
Konzept & Realisation: Martin Arnold
Digital Compositing & Modelling: George Basil, Manuel Böck, Harald Hund, Ruth Kaaserer, Matthias Meyer, Roland Seidel, Christoph Kempter, Fritz Mayer, Regine Müller, Almut Rink, Christian Stoppacher, Sofie Thorsen, Philipp Zaufel

World Premiere: Kunsthalle Wien 2002


Regie: Martin Arnold