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Phantom Fremdes Wienein Film von Lisl PongerAmour Fou Filmproduktion GmbH Dokumentation | 2004 | 27 min | Deutsch (mit engl. UT) | 35 mm In den Jahren 1991 und 1992 hat Lisl Ponger im Zuge einer multikulturellen Weltreise, bei der sie die Stadt Wien doch nicht verlassen hat, mit viel Akribie Super 8-Aufnahmen von Festen, Hochzeiten und Tänzen gesammelt. Ging es ihr zunächst um eine Sichtbarmachung von im öffentlichen Stadtbild schlichtweg nicht existierender kultureller Vielfalt, so stellt der Rückgriff darauf - aus gut zehnjähriger Distanz - gerade diesen Akt der Visualisierung wieder in Frage. "Was sehe ich eigentlich?", heißt es an einer Stelle des von Ponger selbst gesprochenen Off-Kommentars, und nicht nur daran wird deutlich, wie bewusst sich der Film der Problematik des Umgangs mit dem "Ethnischen" ist. Scheint doch in jedem Akt der Sichtbarmachung unweigerlich die Tendenz mit angelegt zu sein, auch das Flüchtige und Diasporische in ein fixes, stereotypes Bild zu bannen. Dabei inszeniert Ponger mehrfach doppelbödig: In Form von Tagebucheintragungen weist sie die Begegnungen mit dem Multikulti-Wien der frühen neunziger Jahre als zutiefst subjektiv aus - jeder Form von objektiver Kategorisierung wird von Anfang an eine Absage erteilt. Gleichzeitig macht sie sich mit Bravour auf die diskursive Suche nach möglichen Ordnungskriterien, die dem Karnevalesken und Überbordenden dieser Bilder irgendwie gerecht werden und gleichzeitig dem Film eine Struktur geben könnten. Selbstreflexiv und ironisch spielen der Kommentar und der darauf abgestimmte Schnitt allerlei Kategorien durch, von äußerlichen Faktoren (Chronologie der Aufnahmen) über thematische Bezüge (Kulturgeografie) bis hin zu Formfragen (Farben, Licht-Schatten-Verhältnisse, Film-Ton) und nicht zuletzt - "sich selbst erklärenden Kategorien" (ein als Weihnachtsmann verkleideter Finne). Die Selbsthinterfragung mündet schließlich in ein permanentes (selbstkritisches) Abschweifen, mit der jegliches "Framing" des Fremden hier letztlich ad absurdum geführt wird. Gleichzeitig breitet sich unter dem ständigen Gleiten und Entgleiten der Kategorien ein weites, differenziertes Formenspektrum aus (Tänze, Bewegungen, Kleidung, Masken, etc.) - eine konsequente "Spektralisierung", die das Phantom weder greifbarer noch gefügiger macht. Text: Christian Höller Ein taiwanesisches Tanzfest, ein nigerianischer Erntedank, eine türkische Hochzeit, der Staatsfeiertag der Elfenbeinküste, ein thailändisches Neujahr, ein Treffen der Roma, ein Saufgelage unter Tschechen: Nahezu jedes Land, jede Kultur, jede Ethnie ist in einer mitteleuropäischen Großstadt wie Wien vertreten, verfügt über Formen und Konventionen der Zusammenkunft und der Bewahrung von Identität. Die Menschen treffen einander in Kongresshallen und Hinterzimmern, in Restaurants und Gotteshäusern. Lisl Ponger hat in den Jahren 1991-92 eine systematische Suche nach dem "Fremden Wien" unternommen. Über ihre Begegnungen hat sie ein Tagebuch geführt. Elf Jahre später schneidet sie aus ihrem Material einen Film, in dem die Ergebnisse ihrer teilnehmenden Beobachtung (meistens mit einer Super-8-Kamera, manchmal nur mit einem Tonaufnahmegerät) nach verschiedenen Kategorien geordnet werden: Visuelle wie technische wie "anthropologische" Motive spielen eine Rolle. Aus dem Off spricht die Filmemacherin über ihre Ordnung der kulturellen Dinge, die sich als fundamental "zusammengesetzt" erweist: Ein Mönch schlägt die Trommel, ein Fluß rauscht, das Bild und der Ton entstammen unterschiedlichen Feldern. Phantom Fremdes Wien ist die Dekonstruktion geläufiger "Völkertafeln": Nicht die charakteristische Geste, das typische Kostüm, das unverwechselbare Musikstück stehen im Zentrum (der Beweis für die Essenz einer Gruppe), sondern die vielfältigen Formen des Übergangs und der Montage. Repräsentation wird zu einem offenen Prozeß, das fremde Wien bleibt - bei aller Nähe - ein Phantom. Text: Bert Rebhandl Besetzung: Konzept: Lisl Ponger Sound Design: Dietmar Schipek Musik: Hakan Gürses und Viennasi MC Österreichpremiere: 21. Jänner 2004 im Wien Museum Karlsplatz Weltpremiere: IFF Rotterdam 2004 Regie: Lisl Ponger Kamera: Lisl Ponger Produktion: Gabrielle Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu |